Studenten entscheiden sich für Nebenberufe

BAföG

Die wirtschaftliche Situation der Studenten im deutschsprachigen Europa hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Wer zu diesem Wintersemester anfängt zu studieren, muss deutlich mehr für seinen Lebensunterhalt aufbringen als noch vor 16 Jahren ‐ von den in vielen Bundesländern eingeführten Studiengebühren ganz abgesehen.

Allein die Mieten für Studenten, die ein Drittel ihrer Ausgaben ausmachen, stiegen von 1991 bis zum vergangenen Jahr um mehr als 64 Prozent. Das sind immerhin acht Prozentpunkte mehr als auf dem gesamten Wohnungsmarkt, wie eine Studie des Deutschen Studentenwerks belegt.

Dazu kommen Kosten für Kleidung, Lebensmittel und vieles mehr. Im Durchschnitt sind es rund 700 Euro im Monat. Posten wie Auto‐ und Krankenversicherung sind darin nur zum Teil enthalten.

Für ein Studium gilt oft: Ohne Preis kein Fleiß. Eine Online‐Umfrage der Studierendenzeitschrift „UNICUM“ hat ergeben: Jeder fünfte Studierende ist verschuldet. Für einige steht am Ende des Monats nur noch wenig auf dem Speiseplan, weil der Geldbeutel schlicht und ergreifend leer ist.
Semesteranfang heißt für Studenten oft ein leeres Portemonnaie. Uni‐Gebühren, neue Bücher, eigener Kittel ‐ ein Nebenjob schreit laut. Die Sorge um das Geld ist ein ständiger Begleiter während des Studiums. Nur die nötigsten Ausgaben sind möglich, größere Ausgaben utopisch. Eine kostspieligere Anschaffung, ob das jetzt ein Küchentisch, Stühle, oder der Fernseher ist, für solche Investitionen hat ein Student erst gar kein Geld.
Ohne Nebenjob geht deswegen bei den meisten Studierenden gar nichts mehr. Es sei denn, sie wohnen noch zu Hause und müssen kein Geld für Miete oder Lebenshaltung aufwenden oder werden von den Eltern finanziell unterstützt. Aber auch wer BAföG bekommt, muss oft einen zusätzlichen Kredit für die Zahlung der Studienbeiträge aufnehmen. Dispo‐Kredite sind schon die Regel, jedoch keine gute Lösung für die Überbrückung finanzieller Schwierigkeiten, aus denen man in der Regel nicht mehr so einfach rauskommt. Doch wer gibt schon gerne zu, dass er finanzielle Schwierigkeiten hat, oder vielleicht sogar in Armut gerät.
Vor allem wer keinen Studienabschluss schafft, hat große Probleme, seine Schulden zurückzuzahlen. Doch auch nach einem erfolgreichen Examen ist ein Job nicht garantiert, gerade in der aktuellen schlechten wirtschaftlichen Situation.
Für 78 Prozent der Studenten führt der Weg zunächst über den Nebenjob. In der Regel arbeiten sie 10 Stunden in der Woche, meist als Aushilfskraft für 9 Euro die Stunde. 42 Prozent der Studenten sagen, ohne die Arbeit könnten sie ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren. Viele Studierende fühlen sich nicht gut genug über das allgemeine Jobangebot informiert.

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