Ein Erfahrungsbericht

Vertriebsmodelle

Ein zweites finanzielles Standbein muss her!

Die Entscheidung fiel, als der Bankautomat sich mal wieder weigerte, den gewünschten Geldbetrag auszuzahlen, und mir stattdessen auf nüchterne Art mitteilte, dass momentan lediglich 60 Euro auf meinem Konto verfügbar seien.
In diesem Moment beschloss ich: Ein zweites finanzielles Standbein muss her.

Ich bin seit einigen Jahren als freier Grafiker tätig. Eine Agentur bucht mich regelmäßig, daneben gestalte ich hier Broschüren, Visitenkarten oder andere Drucksachen für verschiedene Kunden.
Die Freiheiten der freien Tätigkeit will ich auch keineswegs missen – aber die Ungewissheit, wann wieder ein Auftrag hereinkommt und ob die Honorare nicht nur für die Miete, sondern für ein angenehmes Leben ausreichen, zehrt auf Dauer dann doch an den Nerven.
Und weil meine Akquisebemühungen nicht dazu geführt haben, dass sich meine finanzielle Situation grundlegend verbessert hat, schien mir die Aussicht auf eine Nebentätigkeit eine gute Idee zu sein.

Nebentätigkeit ja, aber was?

Dem Entschluss folgte die Suche: Nebentätigkeit ja, aber was? So einfach ist das gar nicht. Ich beherrsche kein Musikinstrument, also kann ich keinen Geigen- oder Klavierunterricht geben. Ich bin nicht bereit, stupide Büroarbeiten für wenig Geld zu erledigen, auch Gärtnerarbeiten sind nicht meine Sache. Und um in einer Bar zu jobben, fühle ich mich dann doch zu alt. Eher aus Neugierde habe ich die Jobinserate in der Tageszeitung studiert. Bei einem bin ich hellhörig geworden: „Sie wollen sich durch eine selbständige Nebentätigkeit Geld dazuverdienen? Sie sind kommunikativ und flexibel? Wir sind ein Multi-Level-Marketing-Unternehmen und bieten gute Verdienstaussichten.“

Selbständige Nebentätigkeit, flexibel, kommunikativ, gute Verdienstmöglichkeit – das war in etwa das, was ich suchte. Allein, ich wusste nicht, was Multi-Level-Marketing eigentlich ist. Und seriös wirken solche Jobangebote per Inserat ohnehin nicht. Aber ich war neugierig geworden. Also begann ich, mich im Internet zu informieren, was Multi-Level-Marketing bedeutet. Dabei lernte ich, dass man auch „MLM“ sagen kann – es sich dabei um Vertriebsform handelt, bei der ein Unternehmen seine Produkte oder Dienstleistungen über selbständige Partner vermittelt. Ich erfuhr allerdings auch, dass das Feld solcher Vertriebsformen unübersichtlich ist. Da gibt es MLM, andere sagen auch Network Marketing oder Strukturvertrieb, da gibt es Direktvertriebe und Franchising. All das ist sich ähnlich, aber doch nicht das Gleiche – und im Internet findet man viele unterschiedliche, zum Teil sogar widersprüchliche Definitionen. Darüber hinaus machen Begriffe wie Schneeballsystem und Pyramidensystem die Runde, ganz offensichtlich die unseriöse Variante und einem seriösem Strukturvertrieb so weit entfernt wie der Mars von der Erde.

Das Durcheinander lichtete sich, als ich auf die Website www.strukturvertriebe.net stieß. Dieses unabhängige Informationsportal nennt sich zwar auch „Medium für die Welt der Direktvertriebe, Strukturvertriebe, Network-Unternehmen, Multi-Level-Marketing-Systeme und Franchise-Anbieter“ – da waren sie also alle wieder, die verwirrenden Begriffe –, sie bringt die Sachen aber auf den Punkt, indem sie sehr sachlich über diese Branche informiert. Ein übersichtlicher Aufbaus, sehr verständliche Begriffserklärungen und weiterführende Hintergrundartikel sorgten dafür, dass ich mich schon bald in dem für mich neuen Feld begrifflich zurechtfand – und wusste, was einen Strukturvertrieb von Network Marketing oder einem Direktvertrieb unterscheidet.

Jedenfalls konnte ich rasch mit Sicherheit sagen, dass in meinem Fall vor allem die Idee, die hinter Strukturvertrieb und Multi-Level-Marketing steckt, mein Interesse geweckt hat, scheint mir eine solche Nebentätigkeit doch bestens mit meiner Existenz als freier Grafiker vereinbar zu sein. Außerdem lockt mich die Aussicht, in einem ganz anderen Feld Erfahrungen sammeln zu können. Allerdings haben mich die Informationen auf dem Portal auch darauf aufmerksam gemacht, dass man aufpassen muss, nicht an das falsche Unternehmen zu geraten. Denn mitunter steckt hinter dem, was sich als MLM präsentiert, ein ominöses Schneeballsystem, in das man Geld reinpumpt, aber keines herausbekommt. Auch hier habe ich schnell zu unterscheiden gelernt. Geht es bei einer Tätigkeit nicht um die Vermarktung eines Produkts und will dieses „Unternehmen“ dann noch einen vierstelligen Betrag als „Anfangsinvestition“ haben heißt es: Finger weg.

In jedem Fall fühlte ich mich nun bestens gerüstet, um probehalber einmal die in der Zeitungsanzeige aufgeführte Telefonnummer zu wählen. Ich hatte eine Frau am Apparat, die mir erstaunlich hohe Gewinne in kurzer Zeit in Aussicht stellte. Das, so wusste ich dank strukturvertriebe.net, war kein gutes Zeichen. Ich muss gestehen, dass ich es genoss, der Frau mit präzisen und gezielten Fragen auf den Zahn zu fühlen. Wie hoch die Einstiegsgebühr ist. Wie hoch mein Anteil bei dem Verkauf des Produktes ist – und wie hoch er ist, wenn ich neue Mitglieder werbe. Ob ich verpflichtet bin, neue Mitglieder zu werben. Was genau das Produkt ist – und was daran gut sein soll. Wie lange ihr Unternehmen schon im Geschäft ist und wie es seine Vertriebspartner qualifiziert. Nach wenigen Minuten war die Frau, die eben noch so euphorisch geklungen hatte, völlig aus dem Konzept – und ich war in der Lage, das Gespräch mit den Worten „Nein danke, ich habe absolut kein Interesse“ souverän zu beenden.

Für mich war das nur eine Art Testlauf. Denn durch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Vertriebsmodellen habe ich mich tatsächlich für den Multi-Level-Marketing-Gedanken erwärmt– vorausgesetzt, ich fände einen seriösen Anbieter. Auch hier hat mich strukturvertriebe.net mit seinem sehr hilfreichen Branchenverzeichnis weitergebracht. Zurzeit bin ich mit einem Strukturvertriebanbieter in Kontakt, der über seine Partner spezielle Produkte, bzw. Dienstleistungen vertreibt. Die Konditionen erscheinen mir fair – und durchaus vielversprechend. Für diese Dienstleistungswelt habe ich mich bislang zwar nicht sonderlich interessiert und hatte erhebliche Vorurteile. Aber ein Gedanke hat mich überzeugt: Bei einem Strukturvertrieb beginnt man, wie jeder andere Unternehmensgründer auch, in seinem persönlichen Umfeld. Und ich weiß, dass sehr viele meiner Freunde und Bekannte sich bislang über dieses Thema, ähnlich vorurteilsvoll wie ich, nicht umfassend informiert haben. Nicht, weil sie das nicht wichtig fänden, sondern eher, weil sie sich noch nicht die Zeit dafür genommen haben. Außerdem weiß ich, dass einige von ihnen nebenberuflich verdientes Geld sehr gut gebrauchen könnten. Zurzeit arbeite ich mich in die Materie ein. Und wenn die Gespräche mit dem Strukturvertrieb positiv verlaufen, werde ich vielleicht bald nicht mehr nur freier Grafiker, sondern auch zweitberuflich selbständig sein. Ich bin gespannt, was der Bankautomat dazu sagen wird.

Foto: ©iStockphoto.com/Michael DeLeon