Das Geld wird knapp

Geld wird knapp

Das hat eine aktuelle Umfrage ergeben

76% der 4.000 befragten Bürger in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben an, das ihr Einkommen aktuell nicht ausreicht, die Lebenserhaltungskosten zu decken. Mehr noch: Über drei Millionen deutsche Bundesbürger sind überschuldet, weitere Millionen sind mit ihrem Dispo‐Kredit in den Miesen und kommen mit ihrem Geld nicht aus. Da steigt auch mal die Angst vor dem Kontoauszug.

Laut Schuldenreport 2008 sind schon 3,1 Millionen deutsche Haushalte überschuldet.

Seit 1999 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Laut statistischem Bundesamt mussten in den ersten vier Monaten des Jahres 2008 schon 30.000 Verbraucher Antrag auf Privatinsolvenz stellen, rund 50 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Ein wichtiger Grund, warum Deutsche mit ihrem Geld nicht mehr auskommen, sind unter anderem sinkende Einkommen. Die Realeinkommen stagnieren seit Jahren, bei niedrigen Gehaltsgruppen sinken sie sogar! Im letzten Jahr stiegen die Löhne zwar um 0,4 %, die Tarif‐Löhne um 1,2 %. Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2 % bedeutet das für Millionen Arbeitnehmer Lohnminus! Im Verhältnis steigen die Lebenshaltungskosten. Miete, Nahrungsmittel, Versicherung, Ausgehen – unser alltägliches Leben wird teurer. Zuletzt sorgte die Euro‐Einführung für einen deutlichen Preisschub. Da ist es kein Wunder, wenn viele Bundesbürger unterm Strich kein frei verfügbares Nettoeinkommen mehr haben.

Hinzu kommt noch die Angst um den Arbeitsplatz. Immer mehr Menschen können sich nicht auf ein regelmäßiges Einkommen aus einem Vollzeitjob verlassen. Die Zahl der Firmenpleiten steigt von Jahr zu Jahr. Betroffen sind auch viele Kleinunternehmen und Ein‐Mann‐Betriebe. Millionen Arbeitnehmer haben nur noch befristete Arbeitsverträge oder müssen Lohnkürzungen und Kurzarbeit hinnehmen.

Ein weiterer Grund sind explodierende Energiekosten: Heizöl, Erdgas, Strom und Benzin‐ die Energiepreise kennen seit Jahren nur noch eine Richtung, nach oben! Auch Abgaben und Gebühren durch Bund und Länder steigen stetig: Höhere Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Krankenkassenbeiträge, Zuzahlungen für die Gesundheit, aber auch höhere Gebühren für Müll, Busse und Bahnen bereiten manchem Sorgenfalten.

Wie viel verdient eigentlich ein Bürger (Durschnittszahlen Deutschland/West, Deutschland/Ost, Österreich)?

Einer der bestbezahltesten Berufe ist z.B. der Informatiker mit durchschnittlich knapp 3600,‐ Euro Bruttomonatsgehalt. Das Durchschnittseinkommen liegt jedoch bei den meisten bei dem einer Bürokauffrau mit rund 1800,‐ bis 2000,‐ Euro Brutto im Monat. Persönliche Einzelsituationen sind oft erschreckend: Stefanie P., Verkäuferin aus Frankfurt a.M., verdient nur 1000,‐ Euro netto im Monat und kämpft sich von Monat zu Monat. Oft ist am Ende vom Geld noch eine Menge vom Monat übrig. Von den 1000,‐ Euro zahlt sie 360,‐ Euro Miete, 55,‐ Euro für öffentliche Verkehrsmittel, 400,‐ Euro für Lebensmittel und Kleidung und 25,‐ Euro für Versicherungen.
Mit 628,06 Euro ist zum Zeitpunkt der Befragung ihr Konto überzogen. So geht es auch vielen Anderen. Allerdings sind auch die so genannten Besserverdienen immer öfter unzufrieden.

Georg W. aus Wien verdient aktuell 4.200,‐ € brutto als Abteilungsleiter einer großen Handelskette. Für diese Position hat Georg W. Betriebswirtschaft studiert, nimmt Auslandsreisen und unbezahlte Überstunden in Kauf. „Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn empfand ich die häufigen Reisen als spannend und attraktiv. Inzwischen sind sie einfach nur noch belastend, u.a. auch für meine private Beziehung.“ Nach Abzug aller Abgaben bleiben ihm knapp über 2.000,‐€ netto übrig. „Meine Eigentumswohnung ist deutlich kleiner und schlichter wie geplant. Es wird noch fast drei Jahrzehnte dauern bis sie abgezahlt ist. Sondertilgungen kann ich mir aktuell nicht leisten.“

Angesprochen auf die Problematik und zur Verfügung stehende Lösungen antworteten 22.300 Personen in einer repräsentativen Umfrage:

  • 17% der Befragten gaben an, kostensparender leben zu wollen.
  • 12% wollen ihre Familienplanung ihrer finanziellen Situation unterordnen und eventuell auf Kinder oder eine Heirat verzichten.
  • 62% wollen es den fast 1,3 Mio. Deutschen und den 700.000 Österreichern und Schweizern nachmachen und sich einen Nebenjob suchen.

Foto: ©iStockphoto.com/Barbara Reddoch